- Industriewassertag Dresden 2026: Wassermanagement im Spannungsfeld von Wachstum und Nachhaltigkeit
3. Industriewassertag Dresden: Wassermanagement im Spannungsfeld von Wachstum und Nachhaltigkeit
Wasserverfügbarkeit, steigende Umweltanforderungen und wachsende Produktionskapazitäten verändern den Umgang der Industrie mit Wasser. Beim 3. Industriewassertag Dresden diskutierten Experten aus Industrie, Forschung und Anlagenbau, wie aus Abwasser neue Wasserkreisläufe und Ressourcen entstehen können – und warum die Halbleiterindustrie dabei besonders im Fokus steht.
Wasser wird zum strategischen Produktionsfaktor
Wasser ist für viele Industrien längst mehr als ein Betriebsmittel. Seine zuverlässige Verfügbarkeit entscheidet zunehmend darüber, wo und wie Produktionskapazitäten aufgebaut und betrieben werden können. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Abwasserqualität, Ressourceneffizienz und Wiederverwendung.
Diese Entwicklung stand im Mittelpunkt des 3. Industriewassertags Dresden, den DAS Environmental Experts gemeinsam mit Endress+Hauser am 8. September 2026 durchführten. Die Veranstaltung auf dem DAS-Campus brachte Fachleute aus unterschiedlichen Industrien, Forschung und Entwicklung zusammen. Die Vorträge, Praxisbeispiele und fünf Roundtables spannten den Bogen von industrieller Abwasserbehandlung und Wasserrecycling über PFAS und die vierte Reinigungsstufe bis zu Wärmerückgewinnung und Ressourcenrückgewinnung.
Die Herausforderungen unterscheiden sich je nach Branche und Standort zwar erheblich, die grundlegenden Fragen ähneln sich jedoch:
Wie lässt sich eine zuverlässige Wasserversorgung sicherstellen?
Wie kann behandeltes Wasser erneut genutzt werden?
Und wie gelingt dies wirtschaftlich, energieeffizient und unter sich verändernden regulatorischen Rahmenbedingungen?

Wachstum braucht Wasser: Beispiel Halbleiterindustrie
Besonders deutlich zeigt sich dieses Spannungsfeld in der Halbleiterindustrie. Mit dem Ausbau der europäischen Fertigungskapazitäten wächst auch der Bedarf an einer leistungsfähigen Wasserinfrastruktur. Dresden ist dafür ein unmittelbares Beispiel.
Halbleiterfertigung benötigt große Mengen Wasser in sehr hoher Qualität. Rohwasser wird vorbehandelt und zu Reinstwasser, sogenanntem Ultrapure Water (UPW), aufbereitet. Nach der Nutzung entstehen wiederum unterschiedliche Abwasserströme. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur, wie dieses Abwasser gereinigt wird, sondern welche Teilströme sich aufbereiten und erneut nutzen lassen – und welche Potenziale sie für die Rückgewinnung wertvoller Ressourcen (Resource Recovery) bieten.
International ist diese Entwicklung unterschiedlich weit fortgeschritten. Wasserknappheit hat insbesondere in Teilen Asiens bereits zu hohen Wiederverwendungsraten und regulatorischen Vorgaben geführt. In Europa wächst der Handlungsdruck ebenfalls. Für neue Fabriken bietet sich dabei die Chance, Wasserrecycling bereits in der Planung mitzudenken. Im Bestand sind Umbauten dagegen deutlich anspruchsvoller, weil Eingriffe in die Wasserinfrastruktur Produktionssicherheit und Kosten unmittelbar beeinflussen können.
Hinzu kommt ein Zielkonflikt: Höhere Recyclingraten sind technisch möglich, benötigen aber Energie. Verfahren wie Umkehrosmose oder Konzepte bis hin zu Zero Liquid Discharge (ZLD) können den Frischwasserbedarf erheblich reduzieren, erhöhen jedoch Energiebedarf und Kosten. Nachhaltiges Wassermanagement muss deshalb Wasser- und Energieeffizienz gemeinsam betrachten.
„Wir müssen Abwasser stärker als Ressource betrachten. Wenn es gelingt, Wasser wiederzuverwenden und zugleich wertvolle Inhaltsstoffe zurückzugewinnen, wird aus Abwasserbehandlung ein wichtiger Baustein für mehr Ressourceneffizienz in der Produktion.“
Vom Abwasser zum Kreislaufsystem
Die dafür notwendigen Technologien sind grundsätzlich vorhanden. Ultrafiltration, Umkehrosmose, Ionenaustausch oder Elektrodeionisation ermöglichen es, aufbereitete Wasserströme wieder für Kühl-, Spül- oder andere Produktionsprozesse bereitzustellen und je nach Anwendung erneut in die Reinstwasseraufbereitung einzubinden.
Entscheidend ist jedoch, Abwasser nicht als einen homogenen Strom zu betrachten. Gerade komplexe industrielle Prozesse erzeugen Wässer mit sehr unterschiedlichen Belastungen. In der Halbleiterfertigung können beispielsweise Fluoride, Stickstoff- und Siliziumverbindungen, organische Stoffe oder hohe Salzfrachten auftreten.
Werden geeignete Ströme bereits am Entstehungsort getrennt erfasst, können sie gezielter behandelt werden. Das reduziert den Aufwand für nachgelagerte Reinigungsstufen und kann gleichzeitig die Möglichkeiten für Recycling oder Ressourcenrückgewinnung erhöhen.
„Beim Wasserrecycling geht es nicht darum, um jeden Preis die höchstmögliche Quote zu erreichen. Entscheidend ist, welche Wasserqualität für den jeweiligen Prozess tatsächlich benötigt wird und wo aufbereitetes Wasser sinnvoll wieder eingesetzt werden kann.“
Wie unterschiedlich solche Konzepte aussehen können, zeigten mehrere Praxisbeispiele des Industriewassertags: von biologischen und chemisch-physikalischen Behandlungsstufen über kompakte Membrananlagen mit Ultrafiltration und Umkehrosmose bis zur Aufkonzentrierung wertvoller Stoffe für deren Rückgewinnung. Auch Forschungsansätze mit keramischen Membranen, Membranextraktion, elektrochemischen und oxidativen Verfahren verdeutlichten, wie sich die Rolle der Abwasserbehandlung erweitert.
Aus der klassischen Aufgabe, Schadstoffe vor der Einleitung zu entfernen, entwickelt sich damit zunehmend ein umfassenderes Ressourcenmanagement: Wasser wird wiederverwendet, Inhaltsstoffe werden zurückgewonnen und perspektivisch kann auch im Abwasser enthaltene Energie stärker genutzt werden.

Neue Anforderungen brauchen individuelle Lösungen
Gleichzeitig werden die zu behandelnden Stoffströme komplexer. Die sogenannten Ewigkeitschemikalien PFAS stehen exemplarisch für Substanzen, die mit konventionellen Verfahren nur schwer zu entfernen sind und neue Anforderungen an Analytik, Behandlung und Anlagenkonzepte stellen. Auch die Diskussion um eine vierte Reinigungsstufe betrifft deshalb zunehmend industrielle Kläranlagen.
Aktivkohle, Ozonierung, Membranverfahren und weiterführende oxidative Prozesse bieten unterschiedliche Ansätze zur Entfernung von Mikroverunreinigungen. Welche Technologie geeignet ist, hängt jedoch stark von Zusammensetzung, Konzentration und weiteren Eigenschaften des jeweiligen Abwassers ab. Pilotierungen gewinnen damit an Bedeutung, insbesondere bei industriellen Anwendungen mit stark variierenden Stoffströmen.
„Für anspruchsvolle industrielle Abwässer gibt es selten die eine Standardlösung. Umso wichtiger ist der Austausch zwischen Betreibern, um Erfahrungen aus der Praxis zu teilen und gemeinsam tragfähige Lösungsansätze zu entwickeln.“
Dass es selten eine universelle Lösung gibt, zeigte auch der Blick auf bestehende Industrieanlagen. Im Industriepark Schwarze Pumpe stellen beispielsweise kalkhaltige Abwässer besondere Anforderungen an Anlagenkomponenten, Messtechnik und Betriebsführung. Das Beispiel macht deutlich, wie wichtig es ist, spezifische Randbedingungen bereits im Anlagendesign zu berücksichtigen und Erfahrungen aus dem laufenden Betrieb kontinuierlich zurückzuführen.
Ähnliches gilt für die Neuausrichtung bestehender Kläranlagen. Verändern sich Abwassermengen, Zusammensetzungen oder regulatorische Anforderungen, müssen Anlagen teilweise grundlegend angepasst werden – möglichst ohne die laufende Produktion zu beeinträchtigen. Retrofitfähigkeit und Redundanz werden deshalb zu wichtigen Bausteinen einer langfristigen Wasserstrategie.

Wassermanagement wird zur gemeinsamen Gestaltungsaufgabe
Der 3. Industriewassertag Dresden hat vor allem eines gezeigt: Die industrielle Wasserwirtschaft entwickelt sich von der reinen Abwasserbehandlung hin zu einem integrierten Wassermanagement.
Wasserrecycling kann die Abhängigkeit von lokalen Wasserressourcen reduzieren. Die getrennte Behandlung geeigneter Teilströme eröffnet zusätzliche Möglichkeiten für Wiederverwendung und Ressourcenrückgewinnung. Neue Technologien erweitern das Spektrum behandelbarer Stoffe. Gleichzeitig müssen Energiebedarf, Wirtschaftlichkeit, Produktionssicherheit und regulatorische Anforderungen von Beginn an gemeinsam betrachtet werden.
Dafür braucht es nicht nur Technologie. Entscheidend sind eine frühzeitige Planung, belastbare Daten, Pilotierung und der Austausch zwischen Betreibern, Forschung, Behörden, Planern und Technologieanbietern.
„Neue praxistaugliche Lösungen entstehen dort, wo Forschung und industrielle Anwendung eng zusammenarbeiten.“
Genau dafür bietet der Industriewassertag Dresden eine Plattform. Die Diskussionen in den Vorträgen und Roundtables haben gezeigt, wie wertvoll unterschiedliche industrielle Erfahrungen für die Entwicklung neuer Lösungen sind. Viele Herausforderungen im Wassermanagement lassen sich nicht isoliert lösen – umso wichtiger sind Wissenstransfer und die Diskussion über Technologien, Praxiserfahrungen und auch über Lösungen, die nicht auf Anhieb funktionieren.
Wir bedanken uns bei allen Referenten, Teilnehmenden und Partnern, die den 3. Industriewassertag Dresden mit ihren Erfahrungen, Fragen und Perspektiven bereichert haben. Wir freuen uns darauf, diesen Austausch beim 4. Industriewassertag 2027 fortzusetzen.
